Musterhäuser in berlin und umgebung

Westberlins große Ländereien spiegelten das neue städtebauliche Paradigma Urbanität durch Dichte wider, das um 1960 vom Planer Edgar Salin und dem Soziologen Hans Paul Bahrdt (Salin 1960; Bahrdt 1961). Es ersetzte das Modell der Klein- und Flachbausysteme aus den 1950er Jahren, die als «strukturierte und verstreute Stadt» bezeichnet wurden (Göderitz et al. 1957). Die Gründer von Spreefeld wurden von dieser Selbsthilfekultur und dem skandinavischen Co-Housing-Modell beeinflusst, das die Co-Housing-Bewegung in den Vereinigten Staaten ins Leben gerufen hat. Aber die Spreefelder brachten auch ihre eigenen Ideen mit. Für die Berliner kommt es nicht nur darauf an, wem die Wohnung gehört, sondern auch, wie sie sie besitzen. Verstaatlichung ist oft mit einer zentralisierten, wenn nicht gar autoritären Regierungsführung und einer ineffizienten Verwaltung verbunden. Deshalb verwendet DWE einen anderen Rechtsbegriff: «Vergesellschaftung» (was übersetzt «Sozialisation» bedeutet) – oder soziales Eigentum. Dieses Modell setzt voraus, dass Wohnungen, sobald sie öffentlich gemacht werden, auch demokratisch verwaltet werden. In Ostdeutschland war der Paradigmenwechsel hin zu großen Gütern viel umfassender. Nach dem von Nikita Chruschtschow in der Sowjetunion propagierten Modell wurde die «Industrialisierung der Bauindustrie» 1955 auf der ersten Baukonferenz in Ost-Berlin beschlossen und zwischen 1963 und 1968 durchgeführt (Flierl 1998 S. 56, 62). In dieser Zeit wurden kleine Unternehmen nach und nach durch Kombinate ersetzt – integrierte staatseigene Unternehmen.

Sie standen unter strenger Kontrolle der Zentralregierung. Als Planer und Bauherren fast aller ostdeutschen Wohnungen konzentrierten sie sich auf die Standardisierung durch den Einsatz von Betonfertigteilen und engagierten sich zunehmend für den Bau großer Grundstücke. Das Spreefeld-Modell stammt aus dem, was der Autor und Stadtplaner Michael LaFond als «Co-Wohnkultur» bezeichnet. LaFond, Gründer des Institute for Creative Sustainability, ist ein in Berlin lebender Amerikaner, der Spreefeld mitgegründet hat und heute dort lebt. Die architektonischen Ambitionen waren also hoch. Ironischerweise hatten die Architekten bewusst versucht, einige der Schlüsselmerkmale zu vermeiden, die ihnen später angelastet wurden, insbesondere die Düsternis und Monotonie, die für so viele funktionalistische Nachlässe charakteristisch war. Sie lehnten fortlaufende Häuserreihen und sich wiederholende Gebäudetypen ab.